Wer lacht schon für die Ewigkeit? Na ja, jede Menge tun's von Werbefotos oder Plakaten herab. Eine Sportlerin, wie die Sprinterin und Olympiateilnehmerin Shanta Ghosh, gehört als öffentliche Person zu diesem Kreis, dem man ein strahlendes Lächeln abverlangt. Sofern man es sehen will. Wenn jedoch ein Gesicht sich im Bruchteil von Sekunden verändert, von Zartheit zu Härte,
Im April war sie im Musée de la Photo-graphie im französischen Mougins zu sehen, jetzt zeigt sie der Saarlän-dische Rund-funk bis 30. September im Schloss Halberg: "Shanta - rose de sable", die neueste Arbeit des Fotografen Peter Riede.
 
 
von Erschöpfung zu Neugier sich klärt, dann zeigen sich die viel gerühmten und sehnlichst verlangten Bilder hinter den Bildern. Peter Riede, Fotograf und im Hauptberuf Pressereferent und Chefredakteur hat sie jenseits der Farben gesucht. Der Journalistenberuf hatte ihn vor vielen Jahren zur Fotografie gebracht. Hier ein Porträt, dort ein Schnappschuss bei einer Tagung oder einem Seminar, das gehörte zum Alltag. Zur Freizeit alsbald ebenso die Beschäftigung mit der Kamera. Kuriose Szenen, japanische Hochzeiten in Weiß im Euro-Disneyland oder füllige Frauen in rotweiß gestreiften Shirts vor weißen Parkbänken hielt er fest.
 
Kein wahlloses Knipsen, sondern Ausdruck einer intensiven Beschäftigung mit Gestaltungs-fragen. Heute arbeitet er nur noch projektbezogen, zuletzt drei Jahre in der Techno-Szene bei Raves und Street-Parades. Angestoßen hatte die Auseinandersetzung mit Gestaltungsfragen der Fotograf Peter Baus.
Der saarländische Fotokünstler, dessen Landschaftsaufnahmen ihm unbestreitbaren Rang einbrachten, gab den einfachen wie für jede künstlerische Arbeit - nicht nur mit der Kamera unverzichtbaren Rat, durch das Rechteck des Suchers zu schauen, das fertige Produkt sehen und dann erst abzudrücken. Zu gestalten eben.
 
 
 
 
"Das war Baus", fasst Peter Riede zusammen. Außerdem war da noch der brasilianische Fotograf Sebastiao Salgado, einst in Diensten der legendären Fotoagentur Magnum, der er selbstbewusst den Rücken kehrte. Als Salgado vor einiger Zeit eine Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen hatte, reiste Peter Riede zur Ausstellung und fand Trickreichtum und ehrwürdige Recherche verschwisternd Salgados Hotel heraus, quartierte sich dort ebenfalls ein und kam mit dem Fotografen ins Gespräch. Farbe gestalte zu viel, ließ Salgado wissen. Sie nimmt den Menschen auf dem Foto ihren Charakter.

Fortan arbeitete der Fotograf Peter Riede mit Schwarzweiß. Statt stundenlanger Laborarbeit entschied er sich für den Einsatz von Schwarzweiß-Dias. Das Motiv und das Modell, mit dem er sich beschäftigen wollte, war mit der Sportlerin Shanta Ghosh gefunden. Die junge Frau hatte unlängst für eine Titelgeschichte der AK-Jugendzeitschrift der Arbeitskammer "in!" Modell und im Zentrum der Titelgeschichte gestanden. Der Eindruck, den sie auf den Fotografen gemacht haben musste, war nachhaltig.

Als zu Anfang des Jahres vom Musée de la Photographie Mougins in der Nähe von Cannes das Angebot kam, dort eine Fotoausstellung zu machen, wusste Peter Riede sofort, was und wen er zeigen wollte. Am Ort, an dem der Picasso- Mitstreiter und -Fotograf André Villers lebt und seine Arbeiten zeigt, musste ebenfalls im vergangenen April der Platz sein, an dem Porträts der besonderen Art ausgestellt werden sollten. Peter Riede bat Shanta Ghosh zu einer Fotosession nach Paris.

Frankreichs Metropole bot das passende Ambiente

Die Seine-Stadt sollte den Hintergrund bieten, ohne dass ihre altbekannten Sehenswürdigkeiten eine nennenswerte Rolle spielen. Straßenfluchten, Mauern, ein Bus, ein Riesenrad: Die Szenerie war karg und verschwand in der Unschärfe des späteren Bildes. Der Verzicht auf einen zur Aufhellung der Szene geschalteten Blitz und die bewusst gesuchte Abhängigkeit von natürlichem Licht oder mehr oder weniger zufällig vorhandenen Lichtquellen ließ das Gesicht der jungen Frau bisweilen im Dunkel verschwinden oder hell fast alle Konturen glättend aufleuchten.

Ein paar Hundertstel oder eine lange Sekunde Belichtungszeit geben einen Gesichtsausdruck frei, der einen kurzen Moment später wieder obsolet ist. Diese Hingabe an die Vergänglichkeit interessierte ihn bei dieser Arbeit. Diese Momente wurden paradoxerweise gerade in den Fotos festgehalten. Der Fotograf sah sich dabei im Bund mit Licht und Schatten, die er teils kalkuliert einsetzend, teils sich ihnen überlassend in seine Bilder im Extrem mit hineinnahm. "Rose de sable" - Wüstenrose - hat Peter Riede die Ausstellung überschrieben. Wie der Wind und die Sonne in der Wüste das zerbrechliche Gebilde einer Wüstenrose im Sand formen, so halfen hier Licht und Schatten mit, das Bild eines Menschen zu gestalten. "Das könnt' was werden", hatte sich Peter Riede gedacht. Recht hatte er. Ausstellung bis 30. Septemer im Schloss Halberg. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7 bis 23 Uhr. Samstag, Sonntag von 19 bis 23 Uhr.

Sabine Graf

(mit freundlicher Genehmigung des "arbeitnehmer")