"Das war Baus", fasst Peter Riede zusammen. Außerdem war da noch der brasilianische Fotograf Sebastiao
Salgado, einst in Diensten der legendären Fotoagentur Magnum, der er selbstbewusst den Rücken kehrte.
Als Salgado vor einiger Zeit eine Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen hatte, reiste Peter Riede
zur Ausstellung und fand
Trickreichtum und
ehrwürdige Recherche verschwisternd Salgados Hotel heraus, quartierte sich dort ebenfalls ein und kam mit
dem Fotografen ins Gespräch. Farbe gestalte zu viel, ließ Salgado wissen. Sie nimmt den Menschen auf dem
Foto ihren Charakter.
Fortan arbeitete der Fotograf Peter Riede mit Schwarzweiß. Statt stundenlanger Laborarbeit entschied er sich
für den Einsatz von Schwarzweiß-Dias. Das Motiv und das Modell, mit dem er sich beschäftigen wollte, war mit
der Sportlerin Shanta Ghosh gefunden. Die junge Frau hatte unlängst für eine Titelgeschichte der
AK-Jugendzeitschrift der Arbeitskammer "in!" Modell und im Zentrum der Titelgeschichte gestanden. Der Eindruck,
den sie auf den Fotografen gemacht haben musste, war nachhaltig.
Als zu Anfang des Jahres vom Musée de la Photographie Mougins in der Nähe von Cannes das Angebot kam, dort eine
Fotoausstellung zu machen, wusste Peter Riede sofort, was und wen er zeigen wollte. Am Ort, an dem der Picasso-
Mitstreiter und -Fotograf André Villers lebt und seine Arbeiten zeigt, musste ebenfalls im vergangenen April der
Platz sein, an dem Porträts der besonderen Art ausgestellt werden sollten. Peter Riede bat Shanta Ghosh zu einer
Fotosession nach Paris.
Frankreichs Metropole bot das passende Ambiente
Die Seine-Stadt sollte den Hintergrund bieten, ohne dass ihre altbekannten Sehenswürdigkeiten eine nennenswerte
Rolle spielen. Straßenfluchten, Mauern, ein Bus, ein Riesenrad: Die Szenerie war karg und verschwand in der
Unschärfe des späteren Bildes. Der Verzicht auf einen zur Aufhellung der Szene geschalteten Blitz und die bewusst
gesuchte Abhängigkeit von natürlichem Licht oder mehr oder weniger zufällig vorhandenen Lichtquellen ließ das
Gesicht der jungen Frau bisweilen im Dunkel verschwinden oder hell fast alle Konturen glättend aufleuchten.
Ein paar Hundertstel oder eine lange Sekunde Belichtungszeit geben einen Gesichtsausdruck frei, der einen kurzen
Moment später wieder obsolet ist. Diese Hingabe an die Vergänglichkeit interessierte ihn bei dieser Arbeit. Diese
Momente wurden paradoxerweise gerade in den Fotos festgehalten. Der Fotograf sah sich dabei im Bund mit Licht und
Schatten, die er teils kalkuliert einsetzend, teils sich ihnen überlassend in seine Bilder im Extrem mit hineinnahm.
"Rose de sable" - Wüstenrose - hat Peter Riede die Ausstellung überschrieben. Wie der Wind und die Sonne in der
Wüste das zerbrechliche Gebilde einer Wüstenrose im Sand formen, so halfen hier Licht und Schatten mit, das Bild
eines Menschen zu gestalten. "Das könnt' was werden", hatte sich Peter Riede gedacht. Recht hatte er. Ausstellung
bis 30. Septemer im Schloss Halberg. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 7 bis 23 Uhr. Samstag, Sonntag von 19
bis 23 Uhr.
Sabine Graf
(mit freundlicher Genehmigung des "arbeitnehmer")